Rollstuhlratgeber 2018-02-12T15:30:23+00:00

Wann steht einem ein Rollstuhl zu?

Rollstühle fallen in die Kategorie der medizinischen Hilfmittel. Unabhängig davon, ob es sich um eine temporäre oder dauerhafte Nutzung handelt, kann ein Rollstuhl immer dann beantragt werden, wenn ein Mensch auf Hilfe bei der Fortbewegung angewiesen ist: beispielsweise nach einer Operation, einer Verletzung oder im Fall einer Erkrankung. Dabei spielt es keine Rolle, ob man den Rollstuhl nur für längere Strecken benötigt oder
weil man gar nicht mehr laufen kann.

Wer verordnet einen Rollstuhl?

Die ärztliche Verordnung bildet in der Regel die Grundlage und den Ausgangspunkt für die Versorgung mit einem Rollstuhl. Die medizinische Diagnose ist entscheidend, um das richtige Hilfsmittel für den Patienten auszuwählen. Nehmen Sie sich Zeit und gehen Sie mit Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten die folgenden Punkte durch, um genau zu eruieren, welche Kriterien der Rollstuhl erfüllen muss: Es gibt auch spezielle Bedarfsermittlungsbögen, um die Suche nach dem passenden Rollstuhl zu erleichtern. Je genauer Sie Ihre Anforderungen an das Hilfsmittel definieren können, um so einfacher gestaltet sich die Versorgung mit einem optimal auf Ihre Bedürfnisse abgestimmten Rollstuhl. Nachdem der Arzt das Rezept für den Rollstuhl ausgestellt hat, geht man zum Fachhändler.

Rollstuhltypenübersicht

Die Wahl des passenden Rollstuhls

Standard- | Leichtgewichtrollstuhl

Für kurze Nutzungszeiten

Der Standardrollstuhl ist nicht für den dauerhaften Gebrauch vorgesehen. Er ist sozusagen eine Übergangslösung oder dient beispielsweise dem Transport in Kliniken oder Flughäfen. Die robuste Bauweise sorgt dafür, dass diese Rollstühle verhältnismäßig schwer zu bewegen sind. Der Leichtgewichtrollstuhl ist eine Variante des Standardrollstuhls. Meist wird er aus Stahlrohr oder Aluminium gefertigt und hat dadurch gegenüber dem Standardrollstuhl den Vorteil, dass er leichter zu handhaben und wendiger ist. Leichtgewichtrollstühle sind oftmals Faltrollstühle und eignen sich somit für den häuslichen Gebrauch oder Autofahrten, wo man sie bei Nichtgebrauch unkompliziert verstauen kann.

Pflege- | Multifunktionsrollstuhl

Zum Einsatz im Pflegebereich

Der Multifunktionsrollstuhl bietet im Gegensatz zum Standardrollstuhl eine Vielzahl von Ausstattungsvarianten. So ermöglicht er es seinen Nutzern, eine Liegeposition einzunehmen, oder unterstützt beim Aufsetzen. Durch eine ideale Anpassung an die Körperform wird auch das Sitzen komfortabler. Multifunktionsrollstühle werden oftmals auch Pflegerollstühle genannt, da sie sich ideal für die Altenpflege oder die Versorgung schwer pflegebedürftiger Menschen eignen. Generell sind diese Rollstühle nicht sehr wendig und können vom Nutzer kaum selbst bewegt werden.

Aktiv- | Adaptivrollstuhl

Individuelle Möglichkeiten für maximale Aktivität

Der Multifunktionsrollstuhl bietet im Gegensatz zum Standardrollstuhl eine Vielzahl von Ausstattungsvarianten. So ermöglicht er es seinen Nutzern, eine Liegeposition einzunehmen, oder unterstützt beim Aufsetzen. Durch eine ideale Anpassung an die Körperform wird auch das Sitzen komfortabler. Multifunktionsrollstühle werden oftmals auch Pflegerollstühle genannt, da sie sich ideal für die Altenpflege oder die Versorgung schwer pflegebedürftiger Menschen eignen. Generell sind diese Rollstühle nicht sehr wendig und können vom Nutzer kaum selbst bewegt werden.

Elektrorollstuhl

Für ein hohes Maß an Mobilität und Unabhängigkeit

Rollstühle mit Elektroantrieb sind vor allem für Menschen gedacht, die nicht mehr so viel Kraft in ihren Armen haben oder bei denen die Beweglichkeit von Händen und Armen eingeschränkt ist. Sie ermöglichen eine hohe Beweglichkeit, selbst in kleinen Räumen, und die problemlose Bewältigung größerer Distanzen. Zusätzlich bieten sie jede Menge Komfort. Man unterscheidet zwischen Elektrorollstühlen für den Innen- und Elektrorollstühlen für den Außenbereich. Elektrorollstühle für den Innenbereich überzeugen mit ihrer kompakten Bauart und einer daraus resultierenden hohen Wendigkeit. Die relativ kleinen Räder ermöglichen es auch, sich selbst in kleinsten Räumen zu drehen. Elektrorollstühle für den Außenbereich und Scooter verfügen über größere Antriebsräder und eine gute Federung.

Alles eine Frage der Einstellung

Rollstuhlmaße richtig bestimmen

Ein individuell angepasster Rollstuhl ist die Voraussetzung für eine optimale Sitzposition und ein Höchstmaß an Bequemlichkeit. Erfahrene Nutzer, die sich eine eher aktive Fortbewegung wünschen, benötigen andere Einstellungen, als Menschen, die gerade erst anfangen, mit dem Rollstuhl zurechtzukommen. All diese Kriterien berücksichtigt ein erfahrener Fachmann im Sanitätshaus. Der Rollstuhl wird nach vorgefertigten Parametern angefertigt, bzw. angepasst, dafür werden bestimmte Messungen vorgenommen. Um den Rollstuhl optimal zu dimensionieren, ist es hilfreich, die Vermaßung am ausgesuchten Modell vorzunehmen. Steht dieses nicht zur Verfügung ist eine Vermaßung in einem ähnlichen Modell sitzend ratsam.

Sitztiefe (ST)

Um eine ideale Sitzhaltung, eine gleichmäßige Druckverteilung und eine stabile Beinführung zu gewährleisten, ist die Sitztiefe von großer Wichtigkeit. Die Messung erfolgt von der Vorderkante des Rückenrohrs bis zur Vorderkante der Sitzbespannung. Ein zu kurzer Sitz führt zu einer erhöhten Belastung der Sitzbeine und Oberschenkel. Ein zu langer Sitz bedeutet eine ungünstige Sitzposition, da der Nutzer automatisch nach vorne rutscht. Zwischen der vorderen Kante der Sitzbespannung und der Kniebeuge sollten etwa zwei bis drei Fingerbreit Luft sein. Am Körper misst man vom Rücken bis in die Kniekehle, abzüglich der zwei bis drei Fingerbreit.

Sitzhöhe (SH)

Man unterscheidet zwischen vorderer und hinterer Sitzhöhe. Die beiden Einstellungen beeinflussen maßgeblich die Sitzhaltung und ermöglichen ein optimales Antreiben des Rollstuhls. Die hintere Sitzhöhe bestimmt, wie tief man zwischen den Antriebsrädern sitzt. Das hat Auswirkungen auf den Zugriff auf die Greifreifen. Die vordere Sitzhöhe bestimmt die Sitzneigung. Eine optimale Sitzhöhe wird erzielt, wenn unter dem Fußbrett mindestens drei Zentimeter Spielraum sind und die Handinnenflächen bei nach unten hängenden Armen in etwa über der Radnabe liegen. Am Rollstuhl misst man die vordere Sitzhöhe an der vorderen Oberkante des Sitzrohrs, die hintere Sitzhöhe an der hinteren Oberkante des Sitzrohrs. Am Körper nimmt man den Wert der Unterschenkellänge zzgl. der benötigten Bodenfreiheit für die Fußstützen (+7 cm).

Sitzbreite (SB)

Für die Sitzbreite misst man am Rollstuhl den Abstand zwischen den Seitenteilen. Am Körper wird die breiteste Stelle des Beckens im Sitzen gemessen. Die Faustregel lautet: Gesäßbreite + 4 cm (2 cm auf jeder Seite). Zwischen Hüfte und Seitenteil sollte allerhöchstens eine flache Hand passen. Denn auch im Alltag und für Zuhause gilt: Je schmaler ein Rollstuhl ist, um so einfacher wird das Passieren von engen Durchfahrten.

Rückenhöhe (RH)

Die Höhe der Rückenlehne ist abhängig von der individuellen Behinderung. Am Rollstuhl wird von der Oberkante des Sitzrohrs bis zur Oberkante des Rückengurts gemessen. Möchte man sich mich dem Rollstuhl selbst fortbewegen, sollte die Rückenlehne etwa einen Fingerbreit (1–2 cm) unterhalb der Schulterblätter enden. So verfügt der Nutzer über ausreichend Spielraum für die Schulterblätter, um die Greifreifen gut bedienen zu können. Bei geringer Muskulatur hingegen bedarf es unbedingt einer höheren Rückenlehne. Berücksichtigen Sie bei dieser Messung unbedingt die Dicke des gewünschten Sitzkissens!

Unterschenkellänge (UL)

Die Unterschenkellänge bestimmt die Position des Fußbretts, welches sich in einem Mindestabstand von drei Zentimetern vom Boden befinden sollte. Die Knie sind im 90°-Winkel gebeugt, die Füße stehen stabil auf dem Fußbrett. Gemessen wird von der Kniekehle bis zur Unterkante der Fußsohle, inklusive Schuh. Am Rollstuhl misst man von der Oberkante der Sitzfläche bis zur Oberkante der Fußplatten, bzw. des Fußbretts. Dabei unbedingt das Sitzkissen berücksichtigen!

Richtig angepasst

Wie der Rollstuhl perfekt auf den Nutzer abgestimmt wird

Wer den Großteil des Tages im Rollstuhl sitzend verbringt, der muss vor allem bequem sitzen – und so sitzen, dass es den Knochenapparat, die Bänder, Muskulatur und Organe nicht belastet. Parallel dazu hat die Körperhaltung maßgeblich Einfluss auf das Erscheinungsbild. Wie der Nutzer im Rollstuhl positioniert wird, entscheidet folglich über die Lebensqualität. So können unnötige Schmerzen vermieden werden oder das Selbstbewusstsein gestärkt werden. Die optimale Sitzposition ist jedoch von Nutzer zu Nutzer verschieden und abhängig von der Art der körperlichen Beeinträchtigung. Die Sitzposition hat großen Einfluss auf die Sitzhaltung. Bei manuell angetriebenen Rollstühlen empfiehlt es sich, relativ weit hinten zu sitzen. So kann der Nutzer die Greifreifen gut erreichen.

Sitzgefälle (SG)

Das Sitzgefälle wird den individuellen Anforderungen des Nutzers entsprechend angepasst. Als optimal gilt ein Sitzgefälle, das vorne höher ist als hinten. In dieser Position ist das Bedienen der Greifreifen am einfachsten und zeigt die größte Wirkung.

Sitzkissen (SK)

Optional kann ein Sitzkissen gewählt werden. Es kann die Druckverteilung verbessern und somit der Entlastung dienen (Antidekubitus). Zusätzlich können Fehlhaltungen korrigiert und die Luftzirkulation verbessert werden.

Sitzkissen (SK)

Optional kann ein Sitzkissen gewählt werden. Es kann die Druckverteilung verbessern und somit der Entlastung dienen (Antidekubitus). Zusätzlich können Fehlhaltungen korrigiert und die Luftzirkulation verbessert werden.

Sitzeinheit (SE)

Die Sitzeinheit ist die Basis für eine gesunde Sitzhaltung. Eine optimale Balance zwischen Stützfunktion und Druckverteilung ermöglicht stundenlanges Sitzen und unterstützt den Nutzer in seiner Aktivität.

Radsturz (RS)

Ein Rollstuhl mit Radsturz lässt sich einfacher bewegen und ist wendiger. Die nach innen geneigten Antriebsräder erhöhen zusätzlich die Stabilität. Sport- und Kinderrollstühle verfügen in der Regel immer über einen Radsturz.

E-Mobilität

Ein elektrischer Rollstuhl funktioniert ohne eigene Kraftaufwendung und eignet sich für Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung oder Konstitution nicht in der Lage sind, einen manuellen Rollstuhl anzutreiben. Elektrorollstühle und Elektromobile verhelfen ihren Nutzern zu einer neuen Mobilität, Flexibilität und Unabhängigkeit – sei es der tägliche Einkauf oder eine Spazierfahrt über Land. Wie bei den manuellen Rollstühlen unterscheidet man auch bei den Elektrorollstühlen zwischen Modellen für den Innen- oder Außenbereich sowie Modellen, die beide Bereiche abdecken.

Elektrische Rollstühle | Innenbereich

Elektrische Rollstühle für den Innenbereich zeichnen sich durch ihre Wendigkeit aus. Sie werden mittels eines Bedienhebels bewegt und ermöglichen dem Nutzer ein Höchstmaß an Mobilität in den eigenen vier Wänden. Aufgrund des hohen Gewichts eignen sich diese Rollstühle nicht zum Schieben. Wenn die körperliche Verfassung es erlaubt, kann man auch einen manuellen Rollstuhl mit Zusatzantrieb in Erwägung ziehen. Dieser kann dann auch von einer anderen Person geschoben werden.

Elektrische Rollstühle | Außenbereich

Elektrorollstühle für den Außenbereich verfügen über ein gefedertes Fahrwerk und sind damit auch für das Fahren über unbefestigten Grund geeignet. Bordsteinkanten und andere Hindernisse sowie Steigungen lassen sich mühelos und fahrstabil überwinden. Modelle, die ausschließlich für den Outdoor Bereich konzipiert sind, weisen eine höhere Reichweite auf als Kombimodelle, die sich für die Nutzung im Innen- und Außenbereich gleichermaßen eignen.

Elektromobile (Scooter)

Elektromobile, auch Scooter genannt, stellen eine Sonderform von Elektrorollstühlen für den Außenbereich dar. Von einem sparsamen Elektromotor angetrieben, fahren sie nahezu geräuschlos, umweltfreundlich und ohne Abgase. Die manuelle Steuerung erfolgt über eine Lenkstange und setzt eine gute Oberkörperstabilität voraus. Es gibt die Elektromobile mit drei oder vier Rädern. Die vierrädrigen Modelle besitzen eine höhere Kippstabilität, was bei einer Geschwindigkeit von bis zu 15 km/h nicht unerheblich ist. Aufgrund ihrer Leistungsfähigkeit eignen sich Elektromobile auch für längere Strecken. Der Transport im PKW ist unkompliziert und einfach, denn die Scooter lassen sich ohne Werkzeug zusammenfalten und zerlegen.